Heute ging es nach dem Frühstück in den Norden Vancouvers, also zunächst mit der U-Bahn nach Downtown und dann mit dem "Sea Bus" nach Nord-Vancouver. "Sea-Bus" ist dabei wortwörtlich zu verstehen: eine Fähre, die im Viertelstundentakt fährt und auf Personenmassentransport ausgelegt ist. Es handelt sich um einen Katamaran, der innen möglichst viele Plätze hat und auf jeder Seite sechs Türen hat. Auf der einen Seite werden die Leute rausgelassen, bevor sie auf der anderen Seite rein dürfen - so schafft man es mit knapp 3 Minuten Liegezeit die komplette Fähre zu leeren und wieder zu füllen.
Danach ging es mit dem Bus nach Lynn Valley. Von dort starteten wir eine Wanderung durch die beiden Parks "Lynn Canyon Park" und "Lynn Headwaters Regional Park". Beide Parks bestehen überwiegend aus Wald, allerdings keinem gewöhnlichen Wald, sondern gemäßigten Regenwald - so war ich zum ersten Mal im Regenwald unterwegs. Zunächst ging es durch den am Flusslauf weiter unten gelegenen Lynn Canyon Park. Der Fluss stürzt sich hier in der Schlucht viele Wasserfälle hinab. Gefühlt ähnlich steil ging es auf Treppen tief hinab in die Schlucht und auf der anderen Seite wieder hinauf. Ein Highlight im Canyon Park ist die Hängebrücke über die Schlucht, von der man dem Wasser beim Tosen zusehen kann - auch wenn es einigen Menschen beim Schaukeln der Brücke glaub doch ein wenig mulmig wurde. Insgesamt kamen wir schrecklich langsam voran - wir wartem dauernd mit fotografieren beschäftigt und die Natur gab uns hier viel zu viele Gelegenheiten dazu.
Folgt man dem Fluss weiter gen Norden, weitet sich die Schlucht, das Wasser wird ruhiger und es werden auch immer weniger Menschen. Nach einem sehr schönen Übergangsstück zwischen den Parks, gelangt man schließlich in den Headwaters Park. Am Anfang des Parks sind die Wege breit und gut ausgebaut, aber je weiter man kommt, desto mehr lässt das nach und man hat das Gefühl, dass man mehr in die Natur kommt. Besonders beeindruckt haben mich immer wieder die "Kinderstuben" für junge Bäume: alte Baumstümpfe längst umgestürzter Bäume, die als Nahrungsquelle und Heimat neuer und (mehr oder weniger) junger Bäume dienen.
Unsere Hoffnung auf eine schöne Bank in der Sonne für das Mittagessen erfüllt sich nicht, da es irgendwann einfach keine Bänke mehr gibt. Nach insgesamt gut zehn Kilometern wandern beschließen wir, dass es Zeit ist umzukehren - die Sonne steht schon kurz über den Berggipfeln und wir müssen noch etwa sechs Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle zurückwandern. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, vesperten wir dann eben im Stehen. Auf dem Rückweg kommen wir deutlich schneller voran als auf dem Hinweg - wir hatten wohl schon alles fotografiert, was irgendwie fotografiert werden konnte. Da es in der Nähe der Bushaltestelle ein Café gab, nutzten wir die Chance uns für die ganze Anstrengung zu belohnen, bevor wir uns in den Bus Richtung Vancouver Downtown setzten. Insgesamt waren wir 16,6 Kilometer mit ziemlich vielen Höhenmetern unterwegs.
Wir kamen rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Nord-Vancouver am Hafen an und konnten dort den Sonnenuntergang bewundern. Das Wetter war dafür fast ein bisschen zu gut, da keine Wolke und nichts am Himmel zu sehen war - so gab es dann auch nichts, woran das schöne Abendlicht hätte reflektiert werden können.
Da die Füße müde waren, ging es dann mit dem Sea-Bus wieder nach Downtown und dort direkt in eine Brauerei am Hafen zum Abendessen. Bevor wir uns auf den Heimweg machten, trennten sich Papas und meine Wege für eine knappe Stunde. Während er es sich in der Brauerei gemütlich machte, setzte ich mich nochmal in den Sea-Bus, um die Skyline von Vancouver bei Nacht zu fotografieren.